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Aktuelles vom Baukonjunktureller Ausblick im Frühjahr 2026: Wachstum trotz Wirtschaftsschwäche

Entwicklung der Bauinvestitionen 2010 bis 2026 Die baukonjunkturelle Entwicklung seit 2010 weist zwei vollkommen unterschiedliche Phasen auf. Grafik: BWI-Bau

Die Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihr aktuelles Frühjahrsgutachten vorgelegt. Darin halbieren sie wegen der infolge des Iran-Krieges drastisch gestiegenen Energiepreise ihre Erwartungen an das Wachstum des realen Bruttoinlandsproduktes gegenüber dem Herbst 2025 von 1,3 auf 0,6 Prozent. 2027 sollen es nun 0,9 anstatt 1,4 Prozent sein. Insgesamt soll der Energiepreisschock die Erholung in Deutschland dämpfen, sie aber nicht vollständig zum Erliegen bringen. Dafür sorge der erheblich expansive Kurs der Finanzpolitik.

Mit seinem hohen Anteil von 10 Prozent am Bruttoinlandsprodukt beeinflusst der Bau die Gesamtwirtschaft maßgeblich. Die baukonjunkturelle Entwicklung seit 2010 weist zwei vollkommen unterschiedliche Phasen auf. Von 2010 bis 2020 legten die preisbereinigten Bauinvestitionen um insgesamt 22,2 Prozent zu und stiegen damit stärker als die gesamtwirtschaftliche Leistung, das Bruttoinlandsprodukt. Selbst im Corona-Jahr 2020 gab es am Bau noch ein reales Wachstum von 4,0 Prozent. 

Seitdem ist die deutsche Bauwirtschaft aber in eine Rezession abgeglitten. Von 2020 bis 2025 gingen die Bauinvestitionen preisbereinigt um insgesamt 16,5 Prozent zurück, mithin um durchschnittlich 3,5 Prozent pro Jahr. Damit sind drei Viertel des Wachstums seit 2010 wieder verspielt. 

Trotz der gesamtwirtschaftlichen Schwäche halten die Institute ihre Prognose für ein reales Wachstum der Bauinvestitionen im laufenden Jahr von 1,7 Prozent aufrecht. Für 2027 wurde allerdings die Prognose von 2,4 auf 1,7 Prozent gesenkt. 

Vom Wachstum sollen die Bausparten in deutlich unterschiedlichem Ausmaß profitieren: 

  • Getrieben werden soll die Entwicklung vom Öffentlichen Bau, der in den beiden Jahren um insgesamt 7,2 Prozent zulegen soll. Zurückgeführt wird dies vor allem auf die mit der Zeit zunehmende Wirkung des 500 Mrd. Euro Infrastrukturprogramms. Allerdings wurde die Prognose gegenüber dem Herbst (8,8 Prozent) deutlich gesenkt, weil ein beträchtlicher Teil der Mittel aus dem Sondervermögen nicht in zusätzliche Investitionen fließen, sondern lediglich geringere Ausgaben im Kernhaushalt des Bundes sowie auf kommunaler Ebene ausgleichen dürfte. Damit wird die deutliche Kritik der Bauverbände aufgegriffen. 

  • Unverändert wird das Wachstum mit 2,9 Prozent im Wohnungsbau eingeschätzt, der mit einem Anteil von 59 Prozent die Bauinvestitionen dominiert. Das Neugeschäftsvolumen bei Wohnungsbaukrediten sei bis Mitte vergangenen Jahres gestiegen. Darin spiegele sich wohl die vorübergehend verbesserte Erschwinglichkeit von Wohneigentum infolge höherer Einkommen und günstigerer Finanzierungsbedingungen wider. 

  • Der Wirtschaftsbau soll dagegen mit einer addierten Wachstumsrate von 2,0 Prozent (vorher 3,5 Prozent) von der gesamtwirtschaftlichen Schwäche deutlich beeinträchtigt werden. Die Institute erwarten, dass im gewerblichen Hochbau die andauernde Schwäche der Industrie und der Strukturwandel zur Investitionszurückhaltung führen, während im Tiefbau (Stromtrassen und Glasfasernetze) ein kräftiger Zuwachs zu erwarten sei.

Für die gesamten Bauinvestitionen bedeutet dies ein kumuliertes Wachstum von 3,4 Prozent in den kommenden beiden Jahren, womit aber lediglich das Niveau des Jahres 2011 wieder annähernd erreicht würde. 

Eine Entwarnung hinsichtlich der steigenden Baupreise, die zur Investitionsschwäche bei Bauten beigetragen haben dürften, wird seitens der Institute nicht gegeben. Diese rechnen vielmehr mit einem Preisauftrieb von 3,3 Prozent sowohl im laufenden als auch im kommenden Jahr. 

Die Prognose ist aber mit einem erheblichen Maß an Unsicherheit belastet. Die größten Risiken ergäben sich aus dem weiteren Verlauf des Iran-Krieges. Im Gutachten wird angenommen, dass sich die unmittelbaren konjunkturellen Auswirkungen des Krieges zunächst vor allem in Form höherer Energiepreise bemerkbar machen. Die vergangenen Wochen haben jedoch gezeigt, dass einzelne Kriegsereignisse sowohl die Kassa- als auch die Terminkurse für Energie stark beeinflussen. Entsprechend können die konjunkturellen Folgen abhängig vom Kriegsverlauf mehr oder weniger stark ausfallen. Einem simulierten Alternativszenario zufolge könnten spürbar höhere Energiepreise den Anstieg der Wirtschaftsleistung in Deutschland in diesem und im kommenden Jahr zusätzlich um 0,2 bzw. 0,3 Prozentpunkte dämpfen. Dies dürfte dann auch entsprechende Auswirkungen auf die Baukonjunktur haben. 

Ansprechpartnerin

 Ina Schwerdtfeger
Ina Schwerdtfeger

Informationsmanagement und Öffentlichkeitsarbeit
BWI-Bau GmbH Institut der Bauwirtschaft