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Nachhaltigkeit
Nachhaltigkeit ist für unsere Gesellschaft von hoher Relevanz. In der Vergangenheit bestanden hohe Freiheitsgrade bei der Umsetzung einer Nachhaltigkeitsberichterstattung. Durch die aktuellen Entwicklungen im Kontext der Taxonomie sowie der Corporate Reporting Sustainability Directive (CSRD) sowie der European Sustainability Reporting Standards (ESRS) entstehen jetzt konkrete Kennzahlen, die sich zu alternativen Währungen bzw. Kostenbestandteilen entwickeln, die schlussendlich auch in den Bauprojekten der Unternehmen erfasst werden müssen.
Sobald es gelingt Nachhaltigkeit messbar zu gestalten, können bestehende Systematiken genutzt werden, um eben diese Nachhaltigkeit in Strukturen und Prozesse zu transferieren. Die vorhandenen Kalkulationsverfahren sowie die Grundlagen zur Bildung von Einheitspreisen eröffnen verschiedene Möglichkeiten bei der Berücksichtigung von Nachhaltigkeit in der Kalkulation bzw. in den Preisen von Bauprojekten.
Ein „Richtig oder Falsch“ lässt sich teilweise nicht festschreiben. Vielmehr ist die Branche aufgefordert, die jeweils beste Lösung im Wettbewerb zu suchen. Das Impulspapier zum CO2-Schattenpreis bietet hierzu eine gute Ausgangsbasis. Das BWI-Bau möchte mit dieser Ausarbeitung die Wechselwirkungen in der Volks- und Betriebswirtschaft darlegen und gleichzeitig praktische Beispiele vorstellen.
Vor dem Hintergrund höherer Anforderungen an ein wirtschaftliches Controlling darf ein sogenanntes Nachhaltigkeitscontrolling nicht zurückstehen. Ein nichtwertschöpfender Mehraufwand im Sinne einer betriebswirtschaftlichen sowie nachhaltigen Betrachtung ist abzulehnen. Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit stehen oft nicht im Widerspruch. Allerdings kann am Ende nur eine Steigerung der Nachhaltigkeit erreicht werden, wenn Einsparungen im Bereich der Produktion nicht noch weitere Produktion erzeugen, sondern eine Steigerung der Nachhaltigkeit erfolgt. Dafür muss allerdings auch eine entsprechende finanzielle Kompensation bei den Bauunternehmen entstehen. Nachhaltigkeit darf nicht zu Nachteilen im Bauwesen führen.
Bauunternehmen müssen die Chance bekommen, den Wandel umzusetzen. Denn eine Verringerung des Angebots auf dem Baumarkt führt zwangsläufig gemeinsam mit den steigenden Material- und Dienstleistungspreisen zu einer Verteuerung des Bauens - mit negativen Folgen für die Gesellschaft als Ganzes.
Durch eine Übertragung der CO2-Kosten in den Einheitspreis können Unternehmen noch freier über die Umsetzung guter CO2 Werte in Bauwerken entscheiden. Aber: Ein zu hoher CO2-Preis ist genauso schädlich wie zu ambitionierte Budgets.
Unternehmen, die ihre Angebote nicht mit einer ordentlichen Kalkulation bzw. einem guten Berichtswesen untermauern, können in Zukunft noch weniger im Wettbewerb bestehen. Es gilt: Alte Probleme der Kalkulation werden durch Nachhaltigkeit zu neuen Problemen der Kalkulation.
Vertragsmodelle im Bauvertragsrecht sowie bei Kooperationsformen können einen zusätzlichen Anreiz schaffen, Nachhaltigkeit zu fördern.
Nachhaltigkeit darf nicht zu einem weiteren Kostenbestandteil werden, der bei den Bauunternehmen verbleibt und nicht weitergegeben werden kann. Dies gilt insbesondere deswegen, weil die Bauunternehmen zum größten Teil nicht bauen, wie sie selbst es wollen, sondern so wie es von den jeweiligen Auftraggebern verlangt wird. Im Gegensatz zu Produktherstellern fungieren Bauunternehmen überwiegend als Bauleistungsanbieter, d. h. immer in Abhängigkeit von einer auftraggeberseitigen Nachfrage.
Generell darf das Thema Nachhaltigkeit weder zu einer Offenbarung von Geschäftsgeheimnissen führen noch die Freiheiten bei der Kalkulation zu sehr einschränken. Aktuelle Bestrebungen sind darauf ausgerichtet, die Nachhaltigkeitsberichterstattung zu vereinfachen. Die Entwicklungen sind hier ein Prozess, der sicher nie ganz abgeschlossen sein wird. Dabei stehen wir Ihnen gerne zur Seite.

Ansprechpartner

Geschäftsführer und Institutsleiter
BWI-Bau GmbH Institut der Bauwirtschaft