Aktuelles vom Volkswirtschaftliche Bedeutung der deutschen Bauwirtschaft

Um die volkswirtschaftliche Bedeutung der Bauwirtschaft in Deutschland darzustellen, wird in der Regel auf drei Kennzahlen zurückgegriffen:
Den Anteil des Bruttoinlandsproduktes, der für Bauinvestitionen verwendet wird. 2024 waren dies 450 Mrd. Euro bzw. 10,4 %, im Durchschnitt der Jahre seit 1991 waren es 10,5 %.
Den Anteil des Baugewerbes an der gesamtwirtschaftlichen Leistungserstellung (Bruttowertschöpfung). 2024 waren dies 193 Mrd. Euro bzw. 4,9 %, im Durchschnitt der Jahre seit 1991 waren es 4,7 %.
Den Anteil der Erwerbstätigen im Baugewerbe an allen Erwerbstätigen. 2024 waren dies rund 2,6 Mio. Personen bzw. 5,7 %, im Durchschnitt der Jahre seit 1991 waren es 5,8 %.
Trotz dieser Werte dominieren in der aktuellen wirtschaftspolitischen Lage andere Wirtschaftsbereiche die öffentliche Diskussion. Vor allem Problembranchen wie Fahrzeugbau, der Maschinenbau oder die Chemische Industrie mit ihren hohen Exportanteilen stehen (vor dem Hintergrund der Sonderzölle in den USA) im Mittelpunkt des Interesses. Dabei lag 2023 (letzter vorliegender Wert) die Zahl der Erwerbstätigen im deutschen Baugewerbe mit mehr als 2,6 Mio. Personen deutlich höher als im Maschinen- und Fahrzeugbau zusammen.
Nicht ganz so deutlich ist der Unterschied in der Produktion (der Bruttowertschöpfung). Aber auch hier war 2023 das Baugewerbe die wichtigste Branche, gefolgt vom Fahrzeugbau und dem Maschinenbau. Die Dominanz dieser Branchen in der wirtschaftspolitischen Diskussion dürfte auch damit zusammenhängen, dass hier wenige Großfirmen, deren Namen dem breiten Publikum bekannt sind, die Produktion dominieren. Im vorwiegend mittelständisch und kleinteilig geprägten Baugewerbe ist dies nicht der Fall.
Die Fokussierung rein auf das Baugewerbe ist allerdings zu eng, weil sie wichtige Zulieferer aus anderen Branchen unberücksichtigt lässt. Insbesondere die Leistungen der planenden Berufe werden nicht dazu gerechnet. Die gesamte Wertschöpfungskette Bau, die den dazu-gehörenden Vorleistungsverbund (Hersteller von Maschinen, Werkzeugen, Baustoffen und Baumaterialien) und weitere baurelevante Leistungen anderer Branchen (u. a. Logistik, Finanzdienstleistungen, weitere unternehmensnahe Dienstleistungen) mit einbezieht, stellt sich weitaus umfassender dar.
In dieser erweiterten Sichtweise wurden nach Berechnungen des Institutes der deutschen Wirtschaft (IW) aus dem Jahr 2008 im Jahr 2004 zu jedem Euro Wertschöpfung im Baugewerbe weitere 1,4 Euro in verbundenen Wirtschaftsbereichen erwirtschaftet. Der Anteil der gesamten Wertschöpfungskette Bau an der gesamtwirtschaftlichen Leistungserstellung lag dadurch bei 10 %. Der Anteil des Baugewerbes an allen Erwerbstätigen lag bei 6 %. In der gesamten Wertschöpfungskette Bau verdoppelt er sich auf 12 %.
Im Auftrag des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie hat das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) 2024 eine neue Studie erstellt, die in Teilen auf der des Jahres 2008 aufbaut. Nach Einschätzung des IW entstehen durch die Arbeitsteilung zwischen Baugewerbe und anderen Branchen Qualitätsvorteile durch die Auslagerung und den externen Bezug von Produktionsteilen von spezialisierten Fachunternehmen. Zudem könnten Kostenvorteile durch die Spezialisierung realisiert werden und dies stärke die Wettbewerbsfähigkeit des Baugewerbes. Außerdem eröffneten sich Möglichkeiten, durch die Arbeitsteilung effektiv auf lokale Standortfaktoren zugreifen zu können. Letztendlich können auch Kapazitätsvorteile infolge der Einbindung von externen Zulieferbetrieben realisiert werden.
Um diese Effekte berechnen zu können, griff das IW auf die Input-Output-Tabellen des Statistischen Bundesamtes zurück. Diese lagen bis 2019 vor. In diesen Tabellen werden die produktions- und gütermäßigen Verflechtungen innerhalb einer Volkswirtschaft und mit dem Ausland aufgezeigt. Der Produktionswert einer Branche ergibt sich dann als die Summe der eigenen Bruttowertschöpfung und der von anderen Unternehmen gelieferten Vorleistungen. Der preisbereinigte Anteil dieser Vorleistungen am Produktionswert des Baugewerbes stieg von 52 % im Jahr 1991 auf 67 % im Jahr 2023.
Das IW bezeichnet dies als “Verbundeffekt”. Durch den hohen Vorleistungsbezug induziert die Bauwirtschaft auch in anderen Wirtschaftsbereichen eine Wertschöpfung. Diese kann indirekt dem auslösenden Sektor, hier also dem Baugewerbe, zugerechnet werden. 2019 betrug dieser Verbundeffekt der Bauwirtschaft 2,3 % der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung. Demnach belief sich das gesamtwirtschaftliche Gewicht der Branche als Summe aus eigener direkter Wertschöpfung (5,2 %) und indirektem Verbundanteil (2,3 %) auf 7,5 % der gesamtwirtschaftlichen Bruttowertschöpfung. Blendet man die Lieferungen und Abnahmen innerhalb des Baugewerbes aus, lieferten andere Branchen im Jahr 2019 für insgesamt 180 Milliarden Euro an das Baugewerbe, und bezogen von diesen Leistungen (nahezu ausschließlich Bauten) im Volumen von 107 Milliarden Euro.
