Aktuelles vom Beschäftigte im Baugewerbe: Trotz Bauflaute Zahl überraschend stabil

Im Zuge des baukonjunkturellen Aufschwungs stiegen die preisbereinigten Bauinvestitionen von 2010 bis 2020 um immerhin 22,2 Prozent, die Zahl der Erwerbstätigen im Baugewerbe um 11,3 Prozent. Anscheinend waren 2010 – nach den langen Jahren der Baukrise und der Seitwärtsbewegung bis 2009 – die personellen Kapazitäten der Baufirmen nicht ausgelastet und boten Spielraum für eine steigende Produktion bei geringerer Personalausweitung.
Von 2020 bis 2024 zeigt sich ein gänzlich anderes Bild. Die realen Bauinvestitionen gingen um 13,0 Prozent zurück, während gleichzeitig – trotz des leichten Abbaus im Jahr 2024 – die Zahl der Erwerbstätigen noch um 1,2 Prozent zulegte. Dies wurde allerdings durch einen deutlichen Rückgang der Produktivität je Erwerbstätigen erkauft.
Ein gewichtiger Grund am Festhalten an den Belegschaften scheint der Blick in die Zukunft zu sein. Der deutsche Bauarbeitsmarkt ist nahezu leergefegt, die Einstellungen der vergangenen 15 Jahre betrafen vorrangig Erwerbstätige aus dem Ausland. Ob dies im gleichen Umfang in den kommenden Jahren noch möglich ist, muss sich erst noch zeigen.
Problematisch ist aber vor allem die Entwicklung der Altersstruktur der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Baugewerbe. Von 2010 bis 2024 (Werte jeweils im zweiten Quartal) ging der Anteil der unter 25-Jährigen an allen Beschäftigten leicht von 15,2 auf 13,7 Prozent zurück. Ungleich dramatischer war aber der Anteilsverlust bei den 25- bis unter 55-Jährigen von 72,3 auf 63,5 Prozent. Folgerichtig legte der Anteil der über 55-Jährigen von 12,5 auf 22,8 Prozent zu.
Die Belegschaften überaltern also. Dies zeigt sich besonders prägnant bei den über 65-Jährigen, die unter normalen Umständen schon aus dem Arbeitsleben ausgeschieden sein sollten. Ihr Anteil hat sich seit 2010 auf 1,8 Prozent mehr als verdreifacht. Zudem reicht bereits seit vielen Jahren die Zahl der Auszubildenden nicht aus, um die Abgänge in die Rente auszugleichen.
Daher sind die Bauunternehmen mit Entlassungen trotz der schlechten Auftragslage vorsichtig geworden. Sie sehen die Gefahr, bei steigender Nachfrage und Produktion nicht auf ausreichende personelle Kapazitäten zurückgreifen zu können, da nahezu ein Viertel der Beschäftigten mittelfristig in die Rente gehen wird. Es handelt sich also um eine Fachkräftesicherung bei erwartetem zukünftigem Arbeitskräftemangel. Dieser „Hortungseffekt“ tritt auch in anderen Wirtschaftszweigen auf, da der Fachkräftemangel sich in Zukunft auf Grund der demografischen Entwicklung auf dem gesamten Arbeitsmarkt verschärfen wird.
