Düsseldorf vom 60 Jahre BWI Bau
Das BWI-Bau feiert in diesem Jahr 60 Jahre Betriebswissenschaft für die Praxis. Ein kurzer Rückblick auf die vergangenen 60 Jahre – und ein Ausblick.
Schon in den frühen Gründungsjahren war das BWI-Bau in Sachen Weiterbildung breit aufgestellt: Das Themenspektrum reichte von der Lohnabrechnung, der Behandlung des Musterkontenrahmens für die Bauindustrie und des Musterkontenplanes für Arbeitsgemeinschaften über Fragen der Bilanzierung und Finanzierung und zu speziellen Steuerproblemen bis hin zur Lochkartentechnik und Elektronik, um nur einige Beispiele zu nennen. Und von Anfang an hat das Institut der Bauwirtschaft nicht nur Mitarbeiter:innen der Mitgliedsunternehmen des Bauindustrieverbands NRW, sondern auch anderer Bauindustrieverbände und darüber hinaus geschult.
Heute, 60 Jahre später, ist das Leistungsspektrum an Weiterbildungsmaßnahmen enorm gewachsen, und zwar nicht nur hinsichtlich der Themen als auch der Konzeptionen: Inhaltlich werden alle diejenigen Bereiche der Baubetriebswirtschaft, des Baubetriebs und des Baurechts abgedeckt, die für das Management von allen Unternehmen der Wertschöpfungskette Bau von Belang sind. Konzeptionell reicht das Angebot von kurzen Web-Trainings über Halbtages- und Tagesveranstaltungen bis hin zu komplexeren Schulungsmaßnahmen wie Seminarfolgen, modularen Zertifikatskursen auf Hochschulniveau, von Fernkursen bis hin zu Studiengängen, von Erfahrungsaustauschkreisen bis hin zu exklusiven Strategietagen.
Unabhängig davon, ob es z. B. um Bauvertragsrecht, Bau-ARGEN, Rechnungswesen, Einkauf oder Unternehmensführung geht: „Weiterbildung kann im Bauwesen nicht von der Stange erfolgen; das Fort- und Weiterbildungsangebot muss den praktischen Anforderungen des agilen Bauumfelds entsprechen“, sagt BWI-Bau-Geschäftsführer und Institutsleiter Sascha Wiehager. „Wir wollen den Unternehmen Handlungshilfen geben - und das möglichst praxisnah zur direkten Umsetzung. Daher binden wir neben unseren eigenen Ressortleitern auch zahlreiche Praktiker und Praktikerinnen aus den Unternehmen ein - getreu unserem Motto: Aus der Praxis für die Praxis!“
Auch wenn Weiterbildung den größten Anteil an den Leistungen des BWI-Bau stellt, so sind auch die anderen beiden Leistungssäulen - Beratung und Information - nach wie vor wichtig. Denn ebenso, wie die Beratungspraxis immer wieder neuen Input für herausfordernde wissenschaftliche Fragestellungen liefert, so ergeben sich aus Forschungsaufträgen und Hochschulprojekten ebenfalls wichtige Impulse für Weiterbildung und Beratung. Und so ergänzen sich die drei Leistungssäulen des BWI-Bau - Beratung, Weiterbildung, Information - in einzigartiger Weise.
2024 ist für das BWI-Bau nun ein ganz besonderes Jahr: Das Institut der Bauwirtschaft feiert sein 60-jähriges Bestehen. Im Oktober 1964 wurde es als Tochterunternehmen des Bauindustrieverbandes Nordrhein-Westfalen gegründet, ursprünglich als Forschungsinstitut, aber gleichzeitig mit dem Anspruch, Bauunternehmern dabei zu helfen, betriebliche Prozesse wirtschaftlich zu optimieren. Als erster Institutsleiter war Prof. Herbert Frey mit dem Aufbau und der Leitung des Betriebswirtschaftlichen Instituts der Westdeutschen Bauindustrie – wie es damals noch hieß – betraut.
Eine der ersten Adressen des Instituts war im Herbst 1964 die Düsseldorfer Königsallee 96, im Jahr 1968 wurde der Sitz in die Schillerstraße 33/35 verlegt, bis es dann im Zuge einer stärkeren Vernetzung mit dem Verband die Räumlichkeiten des Hauses der Bauindustrie in der Uhlandstraße 56 bezog. Seit dem 3. Februar 2014 firmiert es, auch um die breite thematische Aufstellung besser auszudrücken, unter dem Namen BWI-Bau GmbH mit dem Zusatz: Institut der Bauwirtschaft.
In der Nachfolge Frey übernahmen zunächst Prof. Dr. Karl Robl, ab 1988 Prof. Dr. Bruno Refisch und von 2003 bis 2017 Prof. Dr. Ralf-Peter Oepen die Institutsleitung. Refisch verdankt das BWI-Bau drei seiner bundesweit einzigartigen und über eigene Produktzertifizierungen herausragenden Innovationen: Die drei Fernunterrichtsangebote zum ARGE-Rechnungswesen, zum Qualifikationsabschluss als Baufachwirt*In und zum Bauvertragsrecht haben sich zu erfolgreichen Dauerbrennern entwickelt. Den Anfang machte 1981 der Fernkurs ARGE, zunächst als Inhouse-Entwicklung für eine große deutsche Bau-Aktiengesellschaft, ab 1985 dann auch als überbetriebliches Angebot für alle Bauunternehmen. „Damit wurden erstmalig Fernkurse im Bereich einer Handwerksbranche von einer Wirtschaftsvereinigung entwickelt und durchgeführt“, wie Heinrich Dieckmann und Holger Zinn in ihrer Publikation "Geschichte des Fernunterrichts" schreiben.
1987 wurde das BWI-Bau dann vom Dachverband der deutschen Bauindustrie exklusiv mit der Entwicklung eines Vorbereitungslehrgangs auf die IHK-Prüfung Baufachwirt / Baufachwirtin beauftragt. Im Jahr 1995 folgte dann das dritte Produkt, der Fernkurs Bauvertragsrecht für Ingenieure und Kaufleute, und zwar sowohl auf Auftragnehmer- als auch auf Auftraggeberseite. Da Fernunterrichtsangebote gemäß Fernunterrichtsgesetz einer staatlichen Zulassung unterliegen, können Teilnehmende und Unternehmen sich immer sicher sein, dass die Leistungsversprechen von Anbieterseite jederzeit eingehalten werden!
Prof. Oepen etablierte den Studiengang Master Baurecht und die Zertifikatskurse: zertifizierte Bauleitung sowie zertifizierte Abrechnung. Diese Kurse sind ebenfalls ein wichtiger Bestandteil im Portfolio der Weiterbildung geworden. Insbesondere die Kooperationen des BWI-Bau mit den Hochschulen, der TH Köln sowie der FH Münster sind Grund für eine hohe Qualität und Akzeptanz in der Lehre und Praxis.
Sascha Wiehager, der seit 2018 geschäftsführender Institutsleiter des BWI-Bau ist, ergänzte die Zertifikatskurse mit dem Thema Baukalkulation. Zusammen mit der Ruhruniversität West hat das BWI-Bau eine erfolgreiche Fortsetzung in der Reihe der Zertifikatskurse realisiert. Mit einem insgesamt überarbeiteten und deutlich ausgeweiteten Schulungs- und Beratungsprogramm sowie einer zielgerichteten Forschung ist das Institut nun auch wirtschaftlich betrachtet erfolgreich.
Unter der Leitung von Oepen wurde das BWI-Bau im Jahr 2006 Kompetenzzentrum Betriebswirtschaft der Deutschen Bauindustrie. In dieser Funktion stellt es den Mitgliedsunternehmen der bauindustriellen Landesverbände bis heute nicht nur praxisorientierte Leitfäden zu aktuellen Themen zur Verfügung, sondern bietet auch zahlreiche Online-Schulungen von unterschiedlicher Dauer an:
Getreu dem Leitspruch "Aus Tradition in die Zukunft" sucht das Institut der Bauwirtschaft jederzeit die richtige Balance zwischen Altem und Neuen, immer mit dem Blick nach vorne und auf die zukünftigen Herausforderungen seiner Kunden. Das zeigt sich beispielsweise an der Aufnahme von neuen Themen wie Künstlicher Intelligenz bereits bei den Petersberger Strategietagen 2021 und in verschiedenen Erfahrungsaustauschen sowie nun auch im neuen Seminar "KI im Baubetrieb“, das erstmals im Mai 2024 gestartet ist.
„Nur wenn wir mit unseren Themen mit der Zeit gehen, können wir unseren Kunden maßgeschneiderte Konzepte, Problemlösungen und Arbeitshilfen bieten. Aktuell bearbeiten wir u. a. Themen wie Strategische Datenpolitik und Datenmanagement in Kooperation mit der TU Graz und der TU Darmstadt,“ erläutert BWI-Bau Geschäftsführer Sascha Wiehager. Dabei sei es wichtig, die verschiedenen Herausforderungen richtig einzuordnen und dann als eine der ersten Adressen in der Bauwirtschaft umsetzungsfähige Lösungsansätze in die Bauwelt zu spiegeln.
